2013/06/02

Die Ballade des Eises oder „Wie mich ein Eis fast umgebracht hätte“

~Triggerwarnung~ [Suizid 1] [Gewalt 2]


Gestern Abend habe ich im Gefrierfach eine Packung von meinem Lieblingseis gefunden und war darüber sehr glücklich. Eis ist lecker. Besonders das. Vanille-Schokolade mit Keksstücken und Schokoladenbrocken.
Wenn mein Lieblingseis da ist, nehme ich mir eine kleine Schüssel, einen großen und einen kleinen Löffel. Dann nehme ich den großen Löffel und schlage damit auf das Eis ein, weil es noch steinhart ist. Das sieht dann in etwa so aus, wie ein Anfänger-Massenmörder, der versucht, einen Knochen mit einem Brotmesser zu teilen. Oder so.

Das gebe ich dann nach 30-45 Sekunden meistens auf, weil unser Gefrierfach zu stark eingestellt ist.
Wenn das Eis dann etwas weicher geworden ist, löffle ich mir ziemlich präzise ein Drittel davon in die Schüssel. In diesem Fall ließ das dann noch 1/3 zurück, weil Mama sich vorher schon was genommen hatte.
Das Eis machte mich unfassbar glücklich. Ich bin mir nicht sicher, aber ich denke, es liegt an meinen neuen Medikamenten.
Heute morgen wollte ich dann zum Frühstück das restliche Eis essen. (Ja, Eis zum Frühstück ist ganz normal und sollte jeder mal machen.) Es war weg.

Die leere Packung sah ich dann auf dem Tisch. Mama hatte das Eis gestern gegessen.
Ich weiß nicht, warum, aber ich stand erstmal eine Weile perplex da. Mit offenen Augen und einem bestimmt etwas verwirrten Blick. Mein Eis war weg.
Ich bin dann in mein Zimmer gegangen und stand auch da erst einmal einfach da. Mein Eis war weg.
Ich setzte mich aufs Bett. Mein Eis war weg. Ich stand auf und setzte mich an den Schreibtisch. Das Eis. Ich machte meinen PC an. War weg.
Ich fing an zu weinen. Ich war zu Tode betrübt. Mein Eis war weg. Einfach so.
Die Packung steht da immernoch. Leer. Mein Eis war weg. Steht da einfach. Als würde sie mich traurig machen wollen.
Mein Eis ist weg. Ich bekomme es nicht. Es gibt mehr davon, aber +mein+ Eis ist weg.
Ich bin emotional am Ende.

Zweieinhalb Stunden später:
Mama kommt von der Arbeit (Arbeitet im Krankenhaus und hat nur alle zwei Wochen frei. Arme Mama. Bin stolz auf sie. <3) und das erste, was sie mir nach „Hallo“ sagt, ist, dass es ihr Leid tut. Sie konnte unmöglich wissen, wie es mir ging. Sie war den ganzen Morgen nicht da. Sie hat einfach so ein schlechtes Gewissen, weil sie Eis gegessen hat. Eis, auf das keine Besitzrechte hat. Ich habe ihr bestimmt zehn mal gesagt, dass es nicht schlimm ist, dass das Eis ihr genauso zusteht wie mir. Sie konnte nicht wissen, dass ihr Sohn unter komischen Medikamenten halbe Selbstmordgedanken bekommt, wenn es weg ist. Sie soll deswegen nicht traurig sein.
Aber sie ist traurig. Sie hat ein schlechtes Gewissen. Und ich deswegen auch.

Werde mit dem Psychiater besprechen, ob ich vielleicht mein Medikament wechseln kann.


~ Tobi Scott Horst Jonas Emil James Olaf Frederick Ulrich Jason Heinz Marc <3

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